Rente
 


 
 
 
 
Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrente

Unter welchen Umständen kann Berufs- oder Erwerbsunfähig-       
keitsrente gewährt werden?

Hinsichtlich der Frage, ob Berufs-, oder Erwerbsunfähigkeit gewährt 
wird, kommt es nicht darauf an, ob entsprechende Arbeitsplätze auf 
dem Arbeitmarkt vorhanden sind. Es kommt lediglich darauf an, ob
aus medizinischer Sicht gesehen noch eine (Rest-) Erwerbsfähigkeit 
theoretisch vorhanden ist. Es gibt also keinen Berufsschutz in dem
Sinne, dass Rente gewährt wird, weil der zuletzt ausgeübte Beruf 
gesundheitsbedingt nicht mehr verrichtet werden kann. Auch ist es
vollkommen unbeachtlich, ob man auf Dauer für die zuletzt ausgeübte        
Tätigkeit krankgeschrieben ist. 
       
Da die Anerkennung als Schwerbehinderter eine eigenständige Fest-
stellung nach dem Schwerbehindertengesetz darstellt, sagt diese über
das Vorliegen einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit in der Rentenver-
sicherung, oder über die Arbeits(-unfähig)keit nichts aus.

       
 
Wer ist berufsunfähig?
       
Wie der Name schon andeutet, liegt eine Berufsunfähigkeit vor, wenn 
eine dauernde Beeinträchtigung der Berufsausübung durch Krankheit,
Unfall oder Invalidität gegeben ist. Der Begriff der Berufsunfähigkeit ist
enger gefasst als eine Erwerbsunfähigkeit. Bei einer Berufsunfähigkeit 
kann der Betroffene noch weiterhin einem anderen Arbeitsverhältnis
nachgehen, das seiner körperlichen und geistigen Konstitution ent-
spricht, er kann lediglich seinen ursprünglichen Beruf nicht mehr aus-
üben. Der Eintritt der Berufsunfähigkeit wird durch ein medizinisches
Gutachten festgestellt. 

Eine Berufsunfähigkeit im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung 
liegt vor, wenn die Erwerbsfähigkeit des Versicherten im Vergleich zu
gesunden Versicherten mit ähnlicher Ausbildung und Fähigkeiten auf
weniger als sechs Stunden gesunken ist. Seit dem 1. Januar 2001 gibt 
es die Berufsunfähigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung nur
noch für Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind und 
auch nur in Form der teilweisen Erwerbsminderung bei Berufsunfähig-
keit.


Wann liegt Erwerbsunfähigkeit vor? 

Erwerbsunfähig ist jemand, der aufgrund Krankheit zeitlich unabsehbar
keine, oder nur noch geringe Einkünfte (bis 1/7 der monatlichen Bezugs-
größe § 18 SGB V, 1997 DM 610,--) aus Erwerbstätigkeit erzielen kann. 
Übt jemand eine selbständige Tätigkeit aus, selbst, wenn dies auf
Kosten seiner Gesundheit geschieht und/ oder er nur geringfügige, ja
sogar nahezu unbedeutende Einkünfte erzielt, wird unwiderlegbar ver-
mutet, dass keine Erwerbsunfähigkeit vorliegt. Es wird daher vor Auf-
nahme einer selbständigen Tätigkeit gewarnt, da diese zunächst zum
Verlust der Rente führen kann. 

Erwerbsunfähigkeit ist danach zu beurteilen, ob der Versicherte auf dem
allgemeinen Arbeitsfeld, ohne Begrenzung auf zumutbare Tätigkeit wie
bei der Berufsunfähigkeit, noch entsprechende Tätigkeiten verrichten, 
bzw. Arbeitseinkommen erzielen kann.

Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Arbeitsun-
fähigkeit. Auch längere Arbeitsunfähigkeitszeiten beweisen noch nicht
das Vorliegen von Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit. Auch der sogenannte
Grad der Behinderung nach dem Schwerbehindertengesetz ist keine 
Feststellung für das Vorliegen von Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit, allen-
falls ein Indiz.


In welchem Maße ist ein Hinzuverdienst zu Erwerbs- oder Berufsun-
fähigkeitsrente möglich?

Bezieher einer Berufsunfähigkeitsrente können rentenunschädlich bis zu
weniger als die Hälfte ihres früheren Verdienstes hinzuverdienen. Beziehern 
einer Erwerbsunfähigkeitsrente können rentenunschädlich nur bis 1/7 der 
Bezugsgröße hinzuverdienen. Verdienste über der Geringfügigkeitsgrenze
sind sozialversicherungspflichtig. 


Wie wird Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsrente beantragt?

Nur auf Antrag des Rentenempfängers wird eine Erwerbs- oder Berufsun-
fähigkeitsrente in ein vorzeitiges Altersruhegeld nach Vollendung des 
sechzigsten Lebensjahres umgerechnet. Ansonsten erfolgt die Umwand-
lung von Amts wegen mit Vollendung des fünfundsechzigsten Lebens-
jahres.

Für die Antragstellung ist es nicht notwendig, dass bereits ein ent-
sprechendes Formular ausgefüllt wird, jedoch für die spätereWeiterbe-
arbeitung. Zur Beschleunigung der Bearbeitung empfiehlt es sich, bereits
bei der Antragstellung umfassende ärztl. Atteste - soweitvorhanden -
beizufügen.


Wie geht man bei Ablehnung eines Rentenantrages vor?

Widerspruch: Wird eine beantragte Leistung nicht gewährt, kann bei der
Behörde, die den Antrag ablehnt, Widerspruch eingelegt werden. Hierzu 
genügt ein einfacher schriftlicher Widerspruch aus dem hervorgeht, gegen
welche Entscheidung Widerspruch einlegt wird und dass man Widerspruch
einlegt. Eine Begründung ist nicht erforderlich, sollte aber zweckmäßiger-
weise erfolgen.

Die Frist zur Einlegung des Widerspruch und ggf. einer Klage beträgt je-
weils ein Monat nach Zustellung des entsprechenden Bescheides (maß-
geblich ist nicht der Zeitpunkt der Entgegennahme, z.B. bei Niederlegung, 
sondern der Zeitpunkt des Zustellungsversuches).

Aus Nachweisgründen sollte man sich den Eingang des Widerspruchs be-
stätigen lassen.

Klage: Wird auch der Widerspruch negativ beschieden, kann danach Klage
beim zuständigen Gericht erhoben werden. Bei Leistungen der Kranken-
kasse und der Rentenversicherung ist die Klage beim Sozialgericht, bei 
Leistungen des Sozialamtes beim Verwaltungsgericht einzureichen.


Die Erwerbsminderungsrente ab 01.01.2001

Definition, Erklärung
Wenn Sie aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht mehr oder nur 
noch eingeschränkt in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen, liegt eine
verminderte Erwerbsfähigkeit vor. Den Lebensunterhalt sichert in solchen 
Fällen die Erwerbsminderungsrente. Grundlage ist das Gesetz zur Reform
der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, § 435 SGB III. Damit
werden die frühere Berufsunfähigkeitsrente und Erwerbsunfähigkeitsrente 
ersetzt. Wenn ein Anspruch vor dem 01.01.2001 bestand, gelten die alten
Regelungen unverändert


Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit 

Diese Rente erhalten Sie, sofern Sie vor dem 2.1.1961 geboren und berufs-
unfähig sind, in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Berufsunfähigkeit (BU)
3 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt und die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren 
erfüllt haben.

Berufsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen Gründen in seinem oder einem 
anderen zumutbaren Beruf weniger als 6 Stunden täglich leisten kann, wie
vergleichbare gesunde Berufstätige.

 
Auf die allgemeine Wartezeit sind anzurechnen:

-  Beitragszeiten (Pflicht- und freiwillige Beiträge)
-  Kindererziehungszeiten
-  Zeiten aus dem Versorgungsausgleich und dem Rentensplitting unter 
    Ehegatten
-  Zeiten geringfügiger Beschäftigung mit Beitragszahlung des Arbeit-
    nehmers
-  Zuschläge an Entgeltpunkten für Arbeitsentgelt aus geringfügiger ver-
    sicherungsfreier Beschäftigung
-  Ersatzzeiten (zum Beispiel Kriegsdienst, Kriegsgefangenschaft)

Die Wartezeit gilt als erfüllt, wenn die Berufsunfähigkeit unter anderem auf-
grund eines Arbeitsunfalls oder einer Schädigung während des Wehr-
dienstes oder Zivildienstes eingetreten ist.

Es genügt dann bereits ein Pflichtbeitrag.


Nur noch Erwerbsminderungsrente

In der gesetzlichen Rentenversicherung ist der frühere Begriff "Erwerbsun-
fähigkeit" im Jahre 2001 durch den Begriff "Erwerbsminderung" ersetzt
worden. Es gibt daher keine gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente mehr. In
der Umgangssprache wird der Begriff "Erwerbsunfähigkeitsrente" oder
"Frührente" weiterhin verwendet. Rechtlich ist damit aber die Rente wegen 
Erwerbsminderung gemeint.

Eine gesetzliche Rente wegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit erhalten nur
noch Berechtigte bei einem Rentenbeginn bis zum 31.12.2000. Bei einem 
Rentenbeginn ab dem 01.01.2001 gibt es nur noch gesetzliche Renten-
zahlungen wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung.

An die Stelle der bis zum 31.12.2000 geltenden Berufs- und Erwerbsunfähig-
keitsrenten ist die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit getreten.


Abgrenzung zur Berufsunfähigkeit

Die Inhalte zur Absicherung der Berufsunfähigkeit und der gesetzlichen 
Rente wegen Erwerbsminderung sind redaktionell komplett überarbeitet und
erweitert worden. Gehen Sie daher zu den aktuellen Beiträgen im Ratgeber
Berufsunfähigkeit und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie der Seite zur 
Rente wegen Erwerbsminderung.

Das Risiko der Berufsunfähigkeit bleibt für Versicherte, die vor dem 02.01.1961
geboren sind, abgesichert. Für die Berufsunfähigkeit muss das Leistungsver-
mögen in dem erlernten bzw. auf Dauer ausgeübten Beruf aufgrund von Krank-
heit oder Behinderung gegenüber einer gesunden Vergleichsperson auf weniger 
als 6 Stunden gesunken sein.

Der Anspruch auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähig-
keit ist nur dann zu prüfen, wenn einr Leistungsminderung im bisherigen Beruf
auf weniger als 6 Stunden attestiert wird, im Übrigen aber eine mindestens
6-stündige Leistungsfähigkeit für Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes 
vorliegt.

Kann der bisherige Beruf oder eine zumutbare Verweisungstätigkeit noch
mindestens 6 Stunden täglich ausgeübt werden, liegt Berufsunfähigkeit nicht 
vor.


Allgemeine Hinweise zur Erwerbsminderung und zur früheren Rente
wegen Erwerbsunfähigkeit

Eine Erwerbsminderung im Sinne der Rentenversicherung liegt vor, wenn die
Leistungsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt ist. Hierbei
wird zwischen einer teilweisen und einer vollen Erwerbsminderung unter-
schieden.

Die Feststellung, ob eine teilweise oder volle Erwerbsminderung vorliegt, hat 
erhebliche Auswirkungen auf die Höhe der Rente. Da bei einer Rente wegen
voller Erwerbsminderung aufgrund des Gesundheitszustandes regelmäßig
keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt werden kann, ist die monatliche Rente 
höher. Die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung stellt dagegen nur 
einen Ausgleich für den Minderverdienst wegen des Verlustes der Vollzeit-
tätigkeit dar. Diese Rente beträgt die Hälfte einer Rente wegen voller Er-
werbsminderung.

Teilweise erwerbsgemindert ist, wer wegen Krankheit oder Behinderung auf
nicht absehbare Zeit im Rahmen einer 5-Tage-Woche zwar mindestens
3 Stunden, jedoch nicht mehr als 6 Stunden täglich unter den üblichen Be-
dingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes erwerbstätig sein kann. 

Voll erwerbsgemindert ist, wer wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht
absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allge-
meinen Arbeitsmarktes mindestens 3 Stunden täglich erwerbstätig zu sein. 
Selbstständige sind von einer Rente wegen voller Erwerbsminderung nicht
ausgeschlossen.

Bei einem Leistungsvermögen von 3 bis unter 6 Stunden ist die Arbeitsmarkt-
lage zu beachten. Liegt neben der eingeschränkten Leistungsfähigkeit
Arbeitslosigkeit vor, ist der in Betracht zu ziehende Teilzeitarbeitsmarkt als
verschlossen anzusehen. Es ist dem Versicherten nicht möglich, das
reduzierte Leistungsvermögen in eine Erwerbstätigkeit umzusetzen. Der als
verschlossen geltende Teilzeitarbeitsmarkt hat zur Folge, dass die teilweise 
Erwerbsminderung zu einem Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbs-
minderung durchschlägt.


Befristung der Rente

Renten wegen Erwerbsminderung werden grundsätzlich als Zeitrenten ge-
leistet. Die Befristung erfolgt für längstens drei Jahre nach dem Renten-
beginn und kann wiederholt werden. Unbefristet werden sie nur gezahlt, 
wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit
behoben werden kann. Hiervon wird ausgegangen, wenn die Gesamtdauer
der Befristungen bereits neun Jahre beträgt.

Nach Ablauf der neun Jahre ist bei weiterem Vorliegen der Erwerbsminderung
grundsätzlich eine unbefristete Rente zu leisten. Eine unbefristete Rente
kommt jedoch nicht in Betracht, wenn der Anspruch von der Arbeitsmarktlage 
abhängig ist. In diesen Fällen wird immer nur eine befristete Rente gewährt.

Befristete Renten beginnen am Ersten des siebten Kalendermonats nach
Eintritt der Erwerbsminderung, sofern der Rentenantrag rechtzeitig gestellt 
wird. Der Antrag ist rechtzeitig gestellt, wenn er innerhalb von sieben Kalender-
monaten nach Eintritt der Erwerbsminderung beim Rentenversicherungsträger
eingeht.

Wird der Rentenantrag nach Ablauf der sieben Kalendermonate gestellt, be-
ginnt die Rente mit dem Ersten des Antragsmonats. Medizinische Voraus-
setzungen

Die medizinischen Voraussetzungen für eine volle Rente wegen Erwerbs-
minderung liegen bei Ihnen vor, wenn Sie wegen Krankheit oder Behinderung 
weniger als 3 Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten
können.

Die Deutsche Rentenversicherung prüft das anhand ärztlicher Unterlagen. 
Eventuell fordert sie weitere Gutachten an und stellt dann Ihr Leistungs-
ermögen fest.


Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Neben den medizinischen sind außerdem folgende versicherungsrechtlichen
Voraussetzungen erforderlich:

-  Sie müssen mindestens 5 Jahre versichert sein (Wartezeit).
-  In den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen 3 Jahre
    mit Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit belegt 
    sein


Für die Wartezeit zählen mit:

-  Beitragszeiten (Pflicht- und freiwillige Beiträge) 
-  Kindererziehungszeiten
-  Zeiten aus dem Versorgungsausgleich und dem Rentensplitting unter 
    Ehegatten
-  Zeiten geringfügiger Beschäftigung mit Beitragszahlung des Arbeit-
    nehmers
-  Zeiten aus Zuschlägen für eine geringfügig versicherungsfreie Be-
    schäftigung (400-Euro-Job)
-  Ersatzzeiten (zum Beispiel Kriegsdienst, Kriegsgefangenschaft)

Unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie die Mindestversicherungszeit
(Wartezeit) von 5 Jahren vorzeitig erfüllt. 


Das ist der Fall,

wenn Sie wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit, einer Wehr-
dienst- oder Zivildienstbeschädigung oder   wegen politischen Gewahrsams 
vermindert erwerbsfähig geworden sind. Grundsätzlich genügt hier schon ein
einziger Beitrag zur Rentenversicherung, bei einem Arbeitsunfall oder Eintritt
einer Berufskrankheit nur, wenn Sie zum Zeitpunkt des Unfalls oder der Er-
krankung versicherungspflichtig waren; anderenfalls müssen Sie mindestens
1 Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit in den
letzten 2 Jahren davor gezahlt haben, 

vor Ablauf von 6 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert
geworden sind und in den letzten Jahren vor Eintritt der vollen Erwerbsminderung 
mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge haben. Der Zeitraum von 2 Jahren vor Eintritt
der vollen Erwerbsminderung verlängert sich um Zeiten einer schulischen Aus-
bildung nach Vollendung des 17 Lebensjahres bis zu 7 Jahren.


Sonderregelung 

Wer schon vor Erfüllung der Mindestversicherungszeit (= 5 Jahre) wegen einer
Behinderung nicht (mehr) erwerbsfähig ist, kann einen Anspruch auf Rente 
wegen voller Erwerbsminderung haben, wenn er bis zur Erfüllung der Wartezeit 
von 20 Jahren ununterbrochen voll erwerbsgemindert geblieben ist. Diese Regelung
betrifft besonders Beschäftigte in einer Werkstatt für behinderte Menschen.


Auszahlung

Die volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente wird frühestens 6 Monate nach
Eintritt bezahlt. Davor erhalten Sie 6 Wochen lang Entgeltfortzahlung und danach 
Krankengeld.

Die Auszahlungshöhe hängt von Ihrem bisherigen Einkommen, Ihren Versicherungs-
jahren und davon ab, ob Sie in den alten oder den neuen Bundesländern wohnen. 
Insoweit muss die Berechnung individuell erfolgen. Im Schnitt beträgt die volle
Erwerbsminderungsrente 30 - 34 Prozent des bisherigen Bruttoeinkommens. Bei
der teilweisen Erwerbsminderungsrente ist es die Hälfte.

Die volle Erwerbsminderungsrente erhalten Sie erst mit Vollendung des 63. Lebens-
jahres. Wenn Sie jünger sind, erfolgt für jeden Monat früherer Inanspruchnahme ein 
Abschlag von 0,3 Prozent oder maximal 10,8 Prozent.

Die Auszahlung erfolgt als Zeitrente, d.h. sie wird nur für maximal 3 Jahre bewilligt.
Eine Wiederholung ist mit neuem Antrag möglich. Eine Dauerrente kann bewilligt 
werden, wenn eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit unwahrscheinlich ist.

Wenn Sie das 65. Lebensjahr vollenden, wird die Erwerbsminderungsrente in eine
normale Regelaltersrente automatisch umgewandelt.

Leistungen aus der Unfallversicherung mindern die Erwerbsminderungsrente.

Die Zahlung erfolgt höchstens bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze.

Während des Bezugs der Rente wegen voller Erwerbsminderung sind Sie ver-
sicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung.


Besteuerung:

Generell ist die Rente aufgrund Erwerbsminderung als Einnahme steuerpflichtig.
Durch die steuerlichen Freibeträge und Sonderausgaben sind in der Regel aber
keine Steuern zu bezahlen.


Hinzuverdienst bzw. anderweitiges Einkommen:

Die Rente aufgrund Erwerbsminderung kann gekürzt werden oder 
sogar wegfallen, wenn

-  Sie Arbeitsentgelt aus Nebenjobs erhalten
-  Sie Einkommen aus Selbständigkeit beziehen
-  Sie Sozialleistungen, wie Arbeitslosengeld bekommen
-  Sie Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten
-  Vorruhestandsgeld bezahlt wird
-  Ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht
-  Ein Verdienst von mehr als 400 Euro monatlich trotz voller Erwerbsminderung 
   führt zu einer Kürzung der Erwerbsminderungsrente. Hier werden die 3/4-, 
   1/2- oder 1/4- Teilrenten in Ansatz gebracht.Unter 400 Euro dürfen  Sie hinzu 
   verdienen. 2 Monate lang dürfen Sie bis zu 800 Euro verdienen, ohne dass 
   dies bei der Rente berücksichtigt wird. Bei der teilweisen Erwerbs-
   minderungsrente beträgt die Mindesthinzuverdienstgrenze 857,33 Euro (West)
   bzw. 753,55 Euro (Ost) 
- Wenn Sie nicht oder in einem Minijob gearbeitet haben und damit bestenfalls
   nur einen geringen Verdienst erhalten haben, wird eine Mindesthinzuverdienst-
   grenze in Ansatz gebracht. 2 Monate pro Kalenderjahr dürfen Sie diese Grenze
   bis zum doppelten Betrag überschreiten


Nicht als Hinzuverdienst gelten
-  Leistungen als Pflegeperson
-  Einkünfte, die in Behindertenwerkstätten oder ähnlichen Einrichtungen erzielt 
    werden.



Antragstellung

Alle Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden nur auf Antrag 
gezahlt. Um Ihren Rentenanspruch geltend zu machen, müssen Sie daher un-
bedingt einen Antrag stellen. Damit veranlassen Sie, dass das Rentenverfahren
beim zuständigen Rentenversicherungsträger eingeleitet wird. Wenn Sie einen
Rentenantrag stellen möchten, benutzen Sie bitte den dafür vorgesehenen 
Antragsvordruck. Sie be-schleunigen damit das Rentenverfahren. Sie können
den Antrag allerdings auch formlos stellen.

Dem Rentenantrag fügen Sie bitte alle notwendigen Versicherungsunterlagen 
für die Zeiten, die im Versicherungsverlauf noch nicht erfasst sind, bei. Dies
sind zum Beispiel:

-  Geburtsurkunde/Sterbeurkunde/Heiratsurkunde 
-  Aufrechnungsbescheinigungen
-  Nachweise über Ausbildungszeiten
-  Nachweise über Arbeitslosigkeit 
-  Nachweise über Krankheitszeiten
-  Gültiger Personalausweis oder Reisepass
-  Unterlagen im Original mitbringen (Keine Fotokopien)
-  Geburtsurkunde der Kinder (auch bei Vätern - Wichtig für Beiträge zur Pflege-
    versicherung der Rentner)
-  Chipkarte der Krankenkasse
-  Lehrvertrag und Gesellenbrief / Kaufmannsgehilfenbrief oder Ähnliches (Auch
    wenn die Lehre abgebrochen wurde oder Sie durch die Prüfung gefallen sind)
-  Steueridentifikationsnummer
-  internationale Kontonummer IBAN und die internationale Bankleitzahl BIC

Beim Ausfüllen der Antragsformulare sind Ihnen die Versichertenberaterinnen 
und Versichertenberater der Rentenversicherungsträger beziehungsweise unsere
Kolleginnen und Kollegen in den Auskunfts- und Beratungsstellen gerne behilflich.
Auch die Mitarbeiter der Versicherungsämter, Gemeindeverwaltungen und der 
gesetzlichen Krankenkassen stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite und nehmen
Anträge entgegen. Selbstverständlich können Sie den Antrag auch direkt beim
Rentenversicherungsträger stellen.

Die entsprechenden Postanschriften finden Sie im Kapitelpunkt Deutsche Renten-
versicherung.

Bitte die Versicherungsnummer nicht vergessen!

Für einen nahtlosen Übergang zwischen Beschäftigung und Rente, sollten Sie
Ihren Antrag auf Altersrente mindestens 3 Monate vor Erreichen des ent-
sprechenden Lebensalters stellen. 

Eine verspätete Antragstellung kann zu einem späteren Beginn der Rentenzahlung
führen.

Bei schwierigen Ermittlungen, wie zum Beispiel Auslandsbeiträge oder ähnliches, 
kann sich die abschließende Bearbeitung Ihres Rentenantrages eventuell ver-
zögern. Besteht aber der Rentenanspruch dem Grunde nach, so können Sie 
einen Vorschuss auf Ihre künftige Rente beantragen.


Tipps, Checkliste

Achten Sie darauf, dass Sie zum Antrag aussagekräftige Gutachten von Fach-
ärzten, Krankenkasse oder Arbeitsagentur und Ihre Krankengeschichte beilegen.
Sie erhöhen damit Ihre Chancen auf Bewilligung

Legen Sie Widerspruch bei Ablehnung ein und klagen Sie eventuell.

Suchen Sie die Hilfe eines Rechtsanwalts auf und klagen Sie, wenn Sie
Abschläge von Ihrer Erwerbsminderungsrente als nicht rechtens ansehen

Wenn Sie älter als 60 Jahre sind, sollten Sie überlegen, ob es für Sie sinnvoll
ist, anstatt der Erwerbsminderungsrente die Altersrente mit bis zu 10,8 % 
Rentenabschlägen vorzeitig zu erhalten

Wird eine erneute Zahlung der Zeitrente nicht bewilligt, sollten Sie Arbeits-
losengeld I beantragen

Bei Hinzuverdienst durch eine Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit 
sollten Sie sich vorher über Bedingungen und Hinzuverdienstgrenzen bei Ihrer
Rentenversicherung informieren